Am Fuß des Hausberges Gollitsch reichen die Weinberge bis an die mittelalterliche Stadtmauer und die mehrgeschoßigen Keller unter der Stadt waren bereits im 15. Jahrhundert so groß, dass sie sich bis zum Befestigungswall hin ausdehnten (größter historischer Weinkeller Österreichs). Wein und Weinhandel machten Retz zu einer reichen Stadt und zu einer der schönsten Stadtmauerstädte Niederösterreichs.
Herr und Frau Wanderlich verbrachten einen spontanen Kurzurlaub in der Weinstadt, wobei sie gleich im geschichtsträchtigen Althof Retz Quartier bezogen, der heute an der Stelle der ehemaligen, von den Hussiten zerstörten Burg von Graf Rabenswalde steht. Von hier bieten sich gleich mehrere schöne Wandermöglichkeiten an, die man unbedingt mit einem Besuch auf dem entzückenden Hauptplatz verbinden sollte.
Der eindrucksvolle weite Platz mit seinen Barock- und Biedermeierbauten wurde von der Stadtmauer umschlossen, wobei die Dominikanerkirche in die Wehranlage integriert war. Ein Zwinger, eine Mauer und ein Graben – der allerdings nie mit Wasser gefüllt war – schützten die Stadt. Beide Stadttore, das Znaimertor im Norden und das Nalbertor im Süden, sind bis heute erhalten. Blickfang und eigentliches Wahrzeichen von Retz ist aber eindeutig das Rathaus mit seinem 57 Meter hohen Turm.
Wanderlichs drehten eine Runde und begaben sich dann auf den knapp neun Kilometer langen „Kellergassen-Rundweg“, der von hier über die Windmühlgasse sanft bergan führt. Zunächst kommt man an der Kümmerlkapelle vorbei, die 1896 von den beiden Brüdern und Priestern Heinrich und Paulus Maschek gestiftet und vom Baumeister Christian Lehninger errichtet wurde.
Von hier genießt man einen schönen Blick auf eine weitere Sehenswürdigkeit von Retz – die einzige vollständig im Original erhaltene Windmühle in Österreich aus dem Jahr 1853. Liebevoll restauriert, ist sie nach langem Stillstand heute wieder in Betrieb. Von April bis Oktober kann man dieses kulturhistorische Denkmal besichtigen und auf einzigartige Weise längst vergangene Technik erleben.
An der Kapelle zweigt der Rundweg ab und führt nun gemütlich durch die umliegenden Weinberge bis nach Obernalb. An einem großzügig angelegten Wildgehege führt der ansonsten gut ausgeschilderte Weg linkerhand hinauf, was leider an dieser Stelle nicht allzu gut ersichtlich ist. Ab hier wandert man durch unterschiedliche Kellergassen, welche Namen wie Hühnerkoppeln und Urteln tragen.
Das amüsierte die von Haus aus sehr fröhlichen Wanderlichs, auch weil die ansässigen WinzerInnen ihre Keller mit entsprechenden Darstellungen des Federviehs geschmückt hatten. So führte der Rundweg recht kurzweilig nach Unternalb und nach gut zwei Stunden letztendlich zurück nach Retz. Viele der in die Hänge gebauten Weinkeller wurden frisch renoviert und wiederbelebt, während andere bereits ihre besten Jahre hinter sich zu haben scheinen.
Wer noch Zeit hat, sollte sich auf keinen Fall den berühmten Retzer Erlebniskeller entgehen lassen. Ein einzigartiges, Jahrhunderte altes Bauwerk, das bis zu 20 Meter tief in reinen Meeressand gegraben wurde, manche Abschnitte sind sogar dreigeschossig angelegt. Das Labyrinth aus Röhren und Stollen, mit 20 Kilometern Gesamtlänge wesentlich dichter und weiter ausgebaut als das oberirdische Straßenverkehrsnetz, darf aber nur mit einem professionell geschulten Kellerführer besichtigt werden. Das dauert etwa 1 ½ Stunden und inkludiert einen Besuch des historischen Hauptplatzes sowie ein gutes Glas Wein in der Vinothek im Hotel Althof.
Text- und Bildschmiede:
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