Der dritte und letzte Teil des knapp 50 Kilometer langen Salzkammerweges führt in erster Linie am Ostufer des Hallstättersees entlang. Jene Seite, die Herr und Frau Wanderlich bis dato noch ziemlich unbekannt war. Umso schöner, diese nun bei herrlichem Sommerwetter ausgiebig erkunden zu können.
Da die beiden bereits in Obertraun genächtigt hatten, konnten sie direkt von ihrem Quartier loswandern. In den Morgenstunden war es noch herrlich ruhig und der See lag in all seiner Pracht vor ihnen – nur ein paar Schwäne und Plätten (einruderige flache Transportboote aus Holz mit langer Tradition) schipperten friedlich über das Wasser.
Der Hallstättersee ist ein Bergsee im oberösterreichischen Salzkammergut und liegt eingebettet in eine malerische Berglandschaft am Fuße des mächtigen Dachsteinmassivs. Direkt gegenüber von Obertraun, am westlichen Ufer, befindet sich der weltberühmte und nicht nur bei asiatischen TouristInnen äußerst beliebte Ort Hallstatt.
Passagier-Schifffahrt wird hier bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts betrieben. Seit 1881 besteht ein Fährbetrieb von Hallstatt am Westufer zur Bahnstation auf der Ostseite – Österreichs einzige Linie auf einem See, die durchgehend auch im Winter täglich in Betrieb ist. Die 1 Kilometer lange Strecke war bis in die 1990er Jahre auch die einzige Transportlinie für Postsendungen.
Herr und Frau Wanderlich flanierten den Ostuferweg entlang und genossen die schönen Ausblicke auf Hallstatt, das aus der Ferne wie eine kleine, beschauliche Spielzeugstadt wirkt. Der Ort selbst sowie die gesamte Region wurden 1997 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt und sind damit eine von weltweit nur 20 Welterbestätten, die gleichzeitig den Titel Natur- und Kulturerbe erhalten haben.
Anziehungspunkte sind die Landschaft und der See, die Bergwelt mit der Rieseneis- und Mammuthöhle sowie Hallstatt mit seinem Museum und dem Bergwerk. Auch das Beinhaus aus dem 16. Jahrhundert hat die Wanderlichs schon seit jeher fasziniert. Angeblich ist der Karner einzigartig auf der ganzen Welt, da hier die Gebeine ganzer Generationen vollständig aufbewahrt und aufwendig verziert werden.
Eine geschichtsträchtige Gegend, mit der es auch noch eine andere Bewandtnis hat. Oberhalb des historischen Ortskerns befinden sich nämlich ein riesiges hallstattzeitliches Gräberfeld sowie das älteste Salzbergwerk der Welt – beides über einen etwa einstündigen Fußmarsch oder in ein paar Minuten per Salzbergbahn erreichbar.
Ein reiches natürliches Salzvorkommen führte hier zu einem regen Handel und einem damit einhergehenden Wohlstand. Was wiederum die Entwicklung einer hohen Kultur ermöglichte, die nach den Funden im Salzberghochtal „Hallstattkultur“ genannt wurde (auch „Hallstattzeit“ oder „Ältere Eisenzeit“; ca. 800 bis 400 v. Chr.) und den Namen des Ortes auf der ganzen Welt bekannt machte.
Entlang der Strecke kommt man auch am Schloss Grub vorbei, das bis zum Jahr 2010 noch vom Ostuferweg aus ersichtlich war. Heute befindet sich das weitläufige Grundstück mitsamt dem denkmalgeschützten Gebäude aus dem 16. Jahrhundert hinter einem hohen Zaun und kann daher nur noch vom Boot aus von der Seeseite erspäht werden.
Herr und Frau Wanderlich ließen sich davon aber nicht verdrießen und stapften fröhlich am Ufer dahin. Unglaublich idyllisch ist es hier, der Wanderweg immer wieder durchsetzt von kleinen lauschigen Bade- und Rastplätzen und lieblichen Ausblicken auf das gegenüberliegende Hallstatt.
Beim Überqueren der Hängebrücke kommt man auch an der tiefsten Stelle des Hallstättersees vorbei, beachtliche 125 Meter. Da der fünftgrößte See des Salzkammergutes von der Traun durchflossen wird, steigt die Wassertemperatur auch im Sommer selten über 17 Grad – eine herrliche Abkühlung an heißen Tagen, die Frau Wanderlich am eigenen Leibe erfahren konnte.
Der „Welterbe-Weg“ führt als Teilabschnitt des gesamten Rundwanderweges zuletzt noch an wunderschönen Höfen und dem Gasthaus „Seeraunzn“ vorbei nach Obersee, Au, Reitern und schließlich St. Agatha bei Bad Goisern. Da die letzte Etappe mit nur knapp 4 Stunden veranschlagt worden war, nahmen Herr und Frau Wanderlich noch die Überschreitung des Arikogels auf sich.
Der unscheinbare Hügel hat viele verborgene Geheimnisse. Auch heute kann man hier noch einige alte Stollen finden, da zu Zeiten von Maria Theresia Bunterze wie Blei, Kupfer, Eisen, Zinksulfat und Silber abgebaut und in der Nähe verhüttet wurden. Beim Bau der Bahntrasse wurde auch ein spätrömisches Frauengrab gefunden, was auf eine römische Siedlung rund um den Arikogel schließen lässt.
Ein Sensationsfund gelang dann noch im Jahr 2005 in Form eines wertvollen Goldschatzes. Der Schmuck war zunächst eine Zeit lang in Traunkirchen und im Hallstätter Museum ausgestellt worden und befindet sich heute im Kunsthistorischen Museum in Wien. Wanderlichs konnten zwar keine neuen Schätze entdecken, genossen aber die Aussicht und ein kühles Lüftchen auf dem „Gipfel“ der knapp 570 Meter hohen Erhebung.
Der Weg führt über den Rücken des Kogels und auf der anderen Seite wieder hinunter nach Au. Nun ist es nicht mehr weit bis St. Agatha – vorbei an schönen Sommerwiesen und blumengeschmückten Häusern erreichten Herr und Frau Wanderlich ihren Ausgangspunkt unweit der kleinen spätgotischen Kirche, deren hölzernes Türmchen schon weithin sichtbar ist.
Eine runde Sache, dieser Wanderweg durchs Ausseerland und das Innere Salzkammergut. Er führt zu zahlreichen historischen Stätten, Naturwundern und Kulturdenkmälern der Region und kann trotz seiner 1.343 Höhenmeter gut in drei Tagen erwandert werden.
Text- und Bildschmiede:
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