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Das Salzkammergut ist immer und zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Diesmal sind die Wanderlichs im zauberhaften Traunkirchen im Bezirk Gmunden hängen geblieben, dessen markante Kulisse mit der kleinen Johannesbergkapelle bestimmt viele – zumindest vom Vorbeifahren – kennen. Die beschauliche Gemeinde in Oberösterreich lohnt für einen Zwischenstopp. Traunkirchen ist zudem ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge nach Hallstatt, Bad Ischl oder in die Gmundner Altstadt – Salzburg ist ebenfalls nur eine Autostunde entfernt. Dank der nahe gelegenen Bahnhaltestelle „Traunkirchen Ort“ lassen sich viele Ziele natürlich auch ganz bequem ohne eigenes Fahrzeug erreichen. Herr und Frau Wanderlich haben sich an der „1. Adresse am Platz“ einquartiert, dem Post am See, welches schon auf eine lange Geschichte zurückblicken kann und nunmehr in neuem Glanz und Konzept erstrahlt. Vor allem der Rooftop Spa mit Blick auf den Traunsee war den Aufenthalt schon wert, denn für ein Bad im tiefsten See Österreichs war es eindeutig noch zu frisch. Der winterliche Nebel, der normalerweise eher die Gemütslage trübt, zauberte hier eine unwirkliche und mystische Stimmung auf dem Wasser. Da die umliegenden Berge wie der Traunstein komplett verhüllt waren, konnte man ein Gefühl der Weite wie am Meer erleben – hätte nur noch gefehlt, dass ein Seeungeheuer den Kopf aus den Wellen streckt. Wanderlichs hatten von der „Russenvilla“ gelesen, weshalb sie ihre Erkundungstour zuerst dorthin führte. Das mondäne Haus wurde 1850-1854 nach Plänen des berühmten Ringstraßenarchitekten Theophil von Hansen in prächtiger Höhenlage am Kalvarienberg erbaut und verdankt seinen Namen der Auftraggeberin Sophie Pantschoulidzeff. Die Tochter des georgischen Fürsten und Gouverneurs von Saratow verliebte sich auf einer Europareise sofort in die Landschaft des Salzkammerguts und beschloss hier zu bauen. Die Villa war lange Zeit beliebter Treffpunkt berühmter Persönlichkeiten, darunter Erzherzog Maximilian (Bruder von Kaiser Franz Josef), der russische Dirigent Anton Rubinstein, Rainer Maria Rilke oder Adalbert Stifter. Heute befindet sich das Anwesen aus dem 19. Jahrhundert im Privatbesitz des Antiquitätenhändlers Jürgen Hesz und dämmert in einem Dornröschenschlaf vor sich hin. Im Garten nagen Frost, Flechten und Moose an antiken Figuren, alles rostet und verwittert. In den Zimmern schält sich die Farbe von den Wänden, wohingegen Art-Déco-Luster und alte Kachelöfen an einst prächtige Zeiten erinnern. Leider ist das Gebäude nur von außen zu besichtigen, aber man erspäht dennoch wundersame Dinge wie einen riesigen antiken Phallus, der nicht den Geschmack aller TraunkirchnerInnen trifft – zumal der älteste Kreuzweg im Salzkammergut daran vorbeiführt. Nach neuesten Erkenntnissen soll die massive Steinskulptur gut 2.400 Jahre alt sein und ist als Zufallsfund bei Grabungsarbeiten in einer anderen schmucken Immobilie des millionenschweren Besitzers zutage getreten. Fakten, welche die Wanderlichs natürlich brennend interessieren. Wahrlich ein „Stein des Anstoßes“, der nun aber seine Bestimmung in einer Versteigerung zu einem guten Zwecke finden dürfte. Der Stadtspaziergang führte die beiden wieder hinunter in den Ort und an das Westufer des Sees. Traunkirchen ist alter Siedlungsboden. Diverse Funde belegen, dass hier schon in der jüngeren Steinzeit, ebenso in der Bronze- und Hallstattzeit Menschen gelebt haben. 1979 ergab eine Testgrabung auf dem Johannesberg, dass sich dort bereits vor 3.500 Jahren eine heidnische Kultstätte befunden hat. Der auch als „Odinstein“ bekannte Hügel gilt aufgrund seines für diese Region einzigartigen, dichten Eibenbestandes heute als Naturdenkmal. Viele kleine Pfade führen hinauf auf die 457 Meter hohe Erhebung und zu der entzückenden kleinen Johannesbergkapelle. Der genaue Zeitpunkt ihrer Entstehung ist ungewiss, urkundlich erwähnt wird sie erstmals 1356. Später finden sich in Jesuitenchroniken Eintragungen über eine Erweiterung der Kapelle und seit dem 16. Jahrhundert ist sie dem Hl. Johannes dem Täufer geweiht. Im Eingangsbereich befindet sich ein steinerner „Römerkopf“ – ein Fundstück, das vermutlich einen Herrscher jener Zeit darstellen soll. Herr und Frau Wanderlich freuten sich, dass das kleine Gotteshaus geöffnet war, und konnten in Ruhe alles erkunden. Zurück nahmen sie dann eine alternative Route, um auch noch das benachbarte Jesuitenkloster auf der malerischen Halbinsel im See zu besuchen – ebenfalls ein Wahrzeichen des Ortes Traunkirchen. Die Abtei aus dem Jahr 1020 wurde lange Zeit von Benediktinerinnen bewohnt, die sie nach einem schwerwiegenden Brand wieder aufbauten. 1622 übernahmen Jesuiten das Kloster, welche nach einer erneuten Feuersbrunst die heutige Barockkirche errichteten. 1773 wurde das Jesuitenkloster aufgelöst, die ehemalige Klosterkirche Mariä Krönung dient nunmehr als Pfarrkirche und beherbergt die berühmte „Fischerkanzel“, die von einem unbekannten Meister im Jahre 1753 geschaffen wurde und das Wunder des reichen Fischfanges Petri darstellt. Wanderlichs entdeckten auch hier wieder viele schöne Details und Motive, als sie durch den Ort zurück spazierten. Traunkirchen war einst ein wichtiger Knotenpunkt im Salzhandel und verzaubert seine BesucherInnen heute mit seinem historischen Charme. Wirklich gut, dass das Wetter so trübe war, denn die Kulisse der kleinen oberösterreichischen Gemeinde kommt einem sonst viel zu kitschig vor.
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Herr und Frau Wanderlich teilen eine gemeinsame Leidenschaft - die (Fern-) Wanderei. Folge ihnen auf ihren Streifzügen durchs In- und Ausland... ARCHIV
Februar 2026
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