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Wer auf Sommerfrische in der kleinen Waldviertler Gemeinde weilt, sollte diesen kurzen, aber landschaftlich reizvollen Rundweg nicht aussparen. Eine etwa einstündige Wanderung hinauf zur Burg Gars, weiter zur Ruine und Burgmauer mit Sicht auf die Gertrudskirche und dann zum Kamp und über den Kurpark zurück. Vom Rathaus am Hauptplatz starten die meisten Wanderungen. Dort befindet sich auch eine Informationstafel mit einer großen Karte sowie kleine Büchlein mit allen Wegen zur freien Entnahme. Herr und Frau Wanderlich folgten der Beschilderung, die sie zunächst über die Marktgasse und an der Kurkonditorei Ehrenberger vorbeiführte. Weiter auf der Babenbergerstraße und am Tanzcafé Whiskymühle vorbei, in Richtung Thunau am Kamp. Unterwegs ließen sich nebst der markanten Dreifaltigkeitssäule aus dem Jahr 1765 noch allerhand hübsche Details am Wegesrand entdecken. Auch die Ruine der ehemaligen Höhenburg lag bereits gut sichtbar vor den beiden Wanderern. Man quert den lieblich dahinplätschernden Kamp und kann jetzt entweder rechterhand den Fußweg nehmen, den „Prinzessinnensteig“ oder den Kreuzweg, um zur Burg Gars zu gelangen. Wanderlichs stapften der gelben Beschilderung folgend bergan und gelangten so über die St. Leonhardstraße und Taborgasse auf den Vorplatz der Burg, wo sich auch ein stattlicher Bildstock des Hl. Florian von 1725 befindet. Ab hier kann man sich nun völlig der Besichtigung der denkmalgeschützten Gemäuer widmen, seit 2017 ist auch ein Aufstieg auf den Nordturm möglich, von dessen Aussichtsplattform sich ein wunderbarer Blick über das Kamptal und Horner Becken erschließt. Gars ist eine der ältesten Burganlagen Österreichs, sie wurde im 11. Jahrhundert noch ganz im Stil der alten Wallburgen erbaut. Die Babenberger schlugen hier einen ihrer Sitze auf, wobei die „Garser Babenbergerzeit“ nur wenige Jahrzehnte dauerte, da schon unter Leopold III. Kastellane eingesetzt wurden, welche die Burg verwalteten. Die einzige freistehende Babenberger-Feste Österreichs war ein wichtiger Stützpunkt für die Kolonisierung des Waldviertels und wird heute ganzjährig als Veranstaltungsort und Kulisse für Konzerte, Ausstellungen, Lesungen und Feste genutzt. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die ehemalige gotische Pfarrkirche Thunau am Kamp oder „Gertrudskirche“ aus dem 12. Jahrhundert, die ebenfalls weithin sichtbar im unteren südlichen Vorwerk der Burgruine steht und von einem Friedhof mit einem Karner umgeben ist. Von hier bietet sich ein hübscher Ausblick auf das zu Füßen liegende Gars-Thunau. Herr und Frau Wanderlich wählten für die Heimreise den „Jerusalemkreuzweg“, der direkt von der Burg hinunter in den Ort führt. Über liebliche Fußpfade und Treppchen passiert man so die Kreuzigungsgruppe sowie sechs Stationen aus dem Leidensweg Christi, die 1686 von dem Bildhauer Mathias Sturmberger und dem Maurermeister Christoph Galbrunner geschaffen wurden. Um ein wenig Schutz vor der sengenden Sonne zu finden, nahmen die beiden anschließend den Weg durch den weitläufigen Kurpark, der direkt am Flüsschen liegt und einen imposanten Baumbestand aufweist. Die Anlage wurde 1907-1908 im historischen Stil eines Stadtparks errichtet und ist zudem ein Muss für alle Falco-Fans, da die Gemeinde von Gars dort 2011 die angeblich erste und einzige Statue des 1998 tödlich verunglückten österreichischen Pop-Stars aufgestellt hat. Das vier Tonnen schwere Denkmal aus norwegischem Labrador-Granit ist in dreijähriger Arbeit vom deutschen Steinmetzmeister Alexander Hanel realisiert worden, wobei die Figur aus einem Stück per Hand gemeißelt wurde. Hans Hölzel alias Falco war erstmals als Gast des Hauses Dungl nach Gars gekommen, wo er schließlich 1987 die Adam-Villa am Kamp erwarb. Nach einem Umbau des Gebäudes, in dem auch sein Tonstudio Platz fand, zog sich Falco nach anstrengenden Tourneen und meist in den Sommermonaten immer wieder in den Waldviertler Luftkurort zurück. Die Villa befindet sich heute noch größtenteils im Originalzustand und kann für knapp 30 Euro besichtigt werden. Das haben sich die Wanderlichs allerdings für einen Schlechtwetter-Tag aufgehoben und sind zur Abkühlung lieber in den erfrischenden Kamp gehüpft, der übrigens mit seinen 153 Kilometern als längster Fluss des Waldviertels gilt.
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Juli 2026
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